Es sind die kleinen Dinge

Manchmal muss es gar nicht die Fernreise sein, eigentlich nie. Zu weit, zu teuer, zu anstrengend und nicht gut fürs Klima. Ganz in der Nähe, im Kleinen, im Verborgenen, kann man erstaunliche Dinge entdecken. Morgens fremde Vögel zwitschern hören, gemütlich und ohne Zeitdruck stundenlang frühstücken, plaudern, die Ruhe genießen. Und dann versteckte Zeitgeschichte erkunden, Privatsammlungen bestaunen und bei köstlichem Essen den Tag ausklingen lassen.

Wie oft laufen wir vorbei an Häusern und Denkmälern vergangener Zeiten und sehen sie nicht, halten sie für langweilig. Wir müssen uns Zeit nehmen, nachlesen, darüber sprechen, abseits der ausgetretenen Wege suchen. Und vielleicht lernen wir dabei allerlei Erstaunliches über die Stätten unserer Kindheit oder Gegenwart. Dann sehen wir Altgewohntes mit ganz anderen Augen und finden es plötzlich schön.

Es sind die kleinen Dinge und Erlebnisse, die uns dauerhaft glücklich und dankbar machen, nicht die spektakulären. Mit denen können wir zwar Andere beeindrucken, aber nicht uns selbst, jedenfalls nicht dauerhaft.

Den Landstrich, in dem ich aufgewachsen bin und den ich als junge Erwachsene fast schon fluchtartig verlassen habe, neu zu entdecken und die alten zum Teil negativen Gefühle loszulassen, war einer meiner schönsten Reisemomente bisher.

50s Museum Kapsweyer/Südpfalz

Ferienwohnungen Eichenhof/Pfalz

Café Herzog

Heimatmuseum Bad Bergzabern

 

 

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Klassentreffen

BildDie Einladung kommt. Ein Jahr vorher. Freude: au ja, Klassentreffen, das war so lustig letztes Mal. Leider musste ich nachts noch heimfahren, konnte daher keinen Alkohol trinken und hab wahrscheinlich das Beste wieder verpasst. Aber diesmal…. was wohl die Dings und der Sowieso jetzt machen? Und die wie heißt die noch….kam nie zu den Treffen und keiner weiß, was aus ihr geworden ist.

(….)

Zwei Monate vorher. Ui, bald ist Klassentreffen, super! Ich übernachte gleich dort, dann kann ich feiern, solange ich will. Meine Busenfreundin kommt doch nicht, schade. Soll ich trotzdem gehen?  Na klar, die Anderen will ich auch mal wieder sehen. Was zieh ich nur an? Und vielleicht kann ich noch schnell fünf Kilo abnehmen? Will ja einen guten Eindruck machen…

(…)

Zwei Wochen vorher. Oh je, hab gar keine Lust. Was, wenn die alle jetzt voll blöd sind? Und dann muss man dauernd reden, sagen, was man macht und wo, wieviele Kinder man hat, Haus, Tiere, usw. Die Angeber zeigen Fotos auf ihrem Smartphone und machen einen auf dicke Hose. Und diejenigen, die ich seit über 20 Jahren nicht gesehen habe, kommen sicher dieses Mal auch nicht. Wozu überhaupt? Will ich wirklich in der Vergangenheit kramen und wieder in alte Rollen zurückfallen? Was vorbei ist ist vorbei. Ich bin jetzt anders als damals. Interessieren mich die ganzen Leute noch?

(…)

Ein Tag vorher. Nervenflattern. Panik. Aber ich habs versprochen. Was solls. Wenn ich keine Lust mehr habe, verkrieche ich mich in meinem Hotelzimmer und lese. Hoffentlich schmeckt das Essen wenigstens gut.

(…)

Auf der Hinfahrt. Ohjeohjeohje. Will wieder nach Hause. Nach mindestens fünfmal umziehen und Chaos im Kleiderschrank hab ich wieder das an, was ich schon den ganzen Tag trage. Ich muss mich ja wohlfühlen und kneifen soll es auch nicht. Außerdem ist es doch egal, wie ich aussehe…na ja, theoretisch.

(…)

Am Tag danach. Wahnsinn. So einen Spaß gehabt. Leute wiedergetroffen, die ich ein gefühltes ganzes Leben lang nicht gesehen und zuerst nicht wiedererkannt habe. Gelacht, geschrien, geredet. Angekommen. Kindheit und Jugend getankt. Freundschaften wiederbelebt. Kein einziges „Mein Haus-mein Auto-mein Boot“ erlebt. Bin mindestens 20 Jahre jünger, wenn auch nur für kurze Zeit. Einen Abend lang war ich einfach nur ich, ohne die Verbindungen und Verpflichtungen meines Alltags. Hab sehr starke Heimatgefühle. Und fahre jetzt wieder in mein normales Leben – aber beschwingt.

Familienurlaub

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Urlaub mit der (Groß-)Familie ist so eine Sache. Es kann richtig gut laufen, und wenn man ein eingespieltes Team ist, klappt es meistens. Anders, wenn man seit Jugendtagen nicht mehr zusammen unterwegs war und sich inzwischen ganz unterschiedliche Gewohnheiten und Temperamente entwickelt haben…dann knirscht es zuweilen im Gebälk. Aber auch das kann eine wertvolle Erfahrung sein, aus der man lernt. Ich zum Beispiel weiß jetzt, dass

  • man mit sechs Personen ein Ferienhaus benötigt, das genügend Zimmer, Türen (zum Schließen) und Rückzugsmöglichkeiten bietet.
  • ich mit einer sehr katholischen Seniorin nicht in den protestantischen Norden fahren sollte (vor allem nicht am heiligen Osterfest).
  • man nicht mit einem Neunsitzer neben einem Mercedes-SL parken darf (damit hat die Familie jetzt nichts zu tun, aber schwierige Menschen trifft man überall, das erhöht den Stresslevel zusätzlich…).
  • eine Flasche Rotwein am Abend Wunder wirken kann.
  • die Erwachsenen mitunter mehr streiten als die Kinder.

Es war vielleicht nicht die reine Erholung, aber das ist Familie eigentlich nie und muss sie auch nicht sein. Die Menschen, mit denen wir blutsverwandt sind, haben wir uns nicht ausgesucht. Wir müssen uns mit ihnen auseinandersetzen, arrangieren, sie akzeptieren wie sie sind und wenn möglich auch liebhaben. Sie halten uns den Spiegel vor und treiben uns zum Wahnsinn. Dafür sind sie aber auch im Normalfall für uns da, wenn es hart auf hart kommt (naja, Einige davon). Und wir erfreuen uns um so mehr an unserer Wahlfamilie: den Freunden.

www.luetthuett.de

Londinium

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London und ich – ich und London. Es ist zu groß, zu laut, zu teuer und in der U-Bahn stinkt’s. Trotzdem liebe ich es. Wer zum ersten Mal dort ist, fühlt sich schnell überfordert von den vielen Möglichkeiten. Was tun, wohin gehen, was anschauen? Panik!!!  Nur die Ruhe, erst mal in einen Sightseeing-Bus steigen und eine Rundfahrt starten. Ist nicht billig, aber lohnt sich. Danach hat man einen (halben) Überblick. Jetzt nach Covent Garden, einen Cappuccino trinken und in den Markthallen schlendern. Oder einmal quer durch die Gassen von Soho. Bei schönem Wetter an die Southbank, Riesenrad fahren und an der Uferpromenade aus London und die Londoner auf sich wirken lassen. Falls es ein Museum sein darf: New Tate, National Portrait Gallery, Museum of London. Abends indisch essen. Für Flohmarktliebhaber: Portobello oder Camden Lock. Dort kann man eine gemütliche Bootsfahrt nach Little Venice unternehmen und fühlt sich gar nicht mehr wie in der Großstadt. Noch nicht genug? Dann mit dem Schiff nach Greenwich, den nullten Längengrad überschreiten. Abends ins Globe oder in ein Theater im Westend. Lust auf Grün? Holland Park, Regents Park, Hampstead Heath oder Battersea Park, fast gar nicht touristisch. Bedarf nach Getümmel und Gehopse? Brixton, Camden, Soho. Noch mehr Shopping? Überall, bloß nicht Oxford Street. Noch mehr Kultur – dann St. Paul, Westminster Abbey, Tower. Aufs Monument steigen. Eine Führung im Kensington Palace. Tee in der Orangerie. Ufz.

Literatur zu London:

  • Edward Rutherfurd, London
  • Elizabeth George, die Linley-Serie
  • Kerstin Gier, Rubinrot
  • Helene Hanff, 84, Charing Cross Road. Eine Freundschaft in Briefen
  • Für Eltern verboten: London. Der cool verrückte Reiseführer
  • John Sykes, 111 Orte in London, die man gesehen haben muss
  • Moleskine City Notebook London
  • Zadie Smith, London NW

Lieblingsorte

Weidenstück 027Reisen bildet, Reisen entspannt und erweitert den Horizont. Reisen ist auch anstrengend, stressig, nervig, ermüdend…und trotzdem zieht es mich immer wieder nach draußen in die weite Welt. Das Heimkommen ist dann umso netter: „Zu Hause ist es am schönsten“.

Norwegen: Tromso

Schweden: Umea

Südpfalz: Eichenhof

Irland: John’s House

Andalusien: Albunuelas

Ostsee: Lütthütt

Österreich: Schwabhof

London: günstige Unterkünfte

Bretagne: La Falaise

Asturien: Pilona

Wiltshire (UK): Canal Barn

Schottland: Panhole Cottages