Kindheit

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Ich wurde 1976 eingeschult. Mein Ranzen war aus orangefarbenem Leder mit kleinen Entchen auf den Verschlussschnallen. Meine Schultüte war mit (wenigen) Süßigkeiten gefüllt und alle Erstklässler bekamen gelbe Bommelmützen, damit man uns im Dunkeln nicht übersehen konnte. Unsere Dorfschule beherbergte auch die örtliche Hauptschule. Die Kinder aus den umliegenden Dörfern kamen mit dem Bus. Wir lernten Mengenlehre mit verschiedenfarbigen Blättchen und spielten Völkerball im Schulhof. Beim Hausmeister gab es Prinzenrollen und Milch. Zum Sportunterricht gingen wir in Zweierreihen hinunter ins Untergeschoss zur Turnhalle. Wer dabei schwätzte, bekam den Schlüsselbund von der Lehrerin (einer katholische Nonne) auf den Kopf gehauen. Wir spielten „Wer hat Angst vor dem schwarzen Mann“ und trugen alle schwarze Turnhosen. Ein wichtiges Schulfach war „Schönschrift“, wir übten die Buchstaben und Wörter in langen Reihen. Das 1×1 mussten wir täglich auswendig herunterbeten. Nachmittags, wenn die Hausaufgaben erledigt waren, trafen wir uns bei Freunden oder auf dem Abenteuerspielplatz und wurden zu Cowboys und Indianern. Wir spielten Gummitwist und Federball. Bei Kindergeburtstagen standen Topfschlagen, Blinde Kuh, Schokoladenessen und Mehlschneiden oder Verstecken auf dem Programm. Im Sommer fuhren wir mit dem Rad ins Waldschwimmbad, im Winter zogen wir mit unseren Schlitten zum Dorfrand, wo man neben den Überresten der Höckerlinie (Befestigungslinien aus dem 2. Weltkrieg) am besten rodeln konnte. Wenn der Dorfsee zugefroren war, konnten wir dort Schlittschuh laufen. Samstag abends kam die Familie bei meinem Großvater zusammen und schaute die Samstagabend-Show. Es gab drei Fernsehkanäle und nach Sendeschluss nichts mehr. Auf dem Postamt hingen die Fahndungsfotos der RAF. Mein Vater fuhr einen grau-beigen VW-Passat, in dem wir ohne Gurt und Kindersitz herumtollten. Die Kleinste durfte hinten im Kofferraum sitzen. An Fasching verkleideten wir uns als Prinzessin, Cowboy, Indianer, Pirat oder Pippi Langstrumpf. Wir kauften Brausestangen im Tante-Emma-Laden und aßen gerne Pasta giutta. Zu besonderen Gelegenheiten durften wir Mirinda und kalten Kaffee trinken. Unseren ersten richtigen Kaffee (süß, mit viel Dosenmilch) bekamen wir bei Familienfeiern aus dem guten Service mit Goldrand. Samstag war Badetag und es wurde Kuchen gebacken. Unsere Hosen hatten Schlag und bekamen eine Borte unten angenäht, wenn sie uns zu kurz wurden. Die Strumpfhosen waren aus Polyester und schrecklich kratzig. Die Barbies hießen „schlanke Puppen“. Wer eine mit biegsamen Knien hatte, wurde sehr beneidet. Lego war noch sehr schlicht, wir hatten eine Kiste mit Grundsteinen und bauten daraus Häuser in allen Variationen. Unsere Freunde schrieben uns Gedichte und Verse mit bunten Bildchen in unser Poesiealbum. Wir lasen Hanni und Nanni und Astrid Lindgren. Von Star Wars und dem Herrn der Ringe hatten wir noch nichts gehört. Wir kletterten auf Bäume und gruben Dämme am Dorfbach. Im Radio liefen Schlager (Immer wieder sonntags) und unser Idol hieß Pierre Brice. Abends spielten wir Mensch ärgere Dich nicht und Mühle. Es gab keine PCs, keine Handys, keine Tablets, kein Facebook und kein Whatsapp. Wenn wir uns verabreden wollten, mussten wir telefonieren oder einfach zu den Freunden gehen. Einige Nachbarn hatte noch gar kein Telefon. Sie kamen zum telefonieren zu uns und legten anschließend 50 Pfennig aufs Telefonbänkchen. Es war nicht besser oder schlechter als heute – nur anders.

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Mama b(l)ockt

BildDie Sturheit ist mir in die Wiege gelegt – schon meine Vorfahren waren erwiesenermaßen große Sturköpfe und auch in der aktuellen Großfamilie ist das mit-dem-Kopf-durch-die-Wand-wollen weit verbreitet. Blöd, wenn der eigene Nachwuchs die gleichen Eigenschaften entwickelt wie man selbst und dann zwei Böckchen aufeinandertreffen. Aber da der angeheiratete Familienpart ganz anders gestrickt ist, gleicht sich das meist wieder aus. Was nun tun mit bockigen Pubertieren, wenn man selbst so veranlagt ist? Dazu steht in den Erziehungsratgebern eher nichts. Also erst mal durchatmen, zurücktreten. Leichter gesagt als getan. Kritisch wird es immer, wenn

  • Kind nicht essen will, was ich in mühsamer (weil meist kochunlustiger) Zeit in der Küche produziert habe
  • Kind nicht aufstehen will
  • Kind nicht ins Bett will
  • Kind nicht mit zur Oma/Tante/Freundin etc. mit will
  • Kind Zimmer nicht aufräumen will
  • Kind keine Lust auf Hausaufgaben, Musikinstrument üben, MIthilfe im Haushalt (oh oh, let’s not go there) hat
  • die Gesamtfamilie mal wieder meint, sich in einem Hotel mit All-Inklusive-Service zu befinden
  • die Mutter anruft, um zu lamentieren
  • zu viele Dinge auf einmal passieren und das Mauseloch verstopft ist, in das man sich zurückziehen will…
  • die Liste ließe sich endlos fortführen, aber das hilft ja auch nicht.

Was hilft, ist ein geduldiger aber auch ehrlicher Partner, der einem immer mal wieder den Spiegel vorhält… und das Ganze mit Humor erträgt. Und ein bisschen an sich arbeiten….und öfter mal an die bockigen Vorfahren denken.

Mütter und Töchter

clarissa1

Warum versteht man die Ermahnungen seiner eigenen Mutter erst, wenn man selber Mutter ist? Und warum fällt man in die gleichen Verhaltensweise seiner Mutter zurück, obwohl man doch alles anders machen wollte? Und wieso nur hat man immer ein schlechtes Gewissen, egal wie sehr oder wie wenig man sich gerade kümmert? Gibt es eine Alternative zu der typischen Entwicklung, dass Eltern im hohen und gebrechlichen Alter wieder zu Kleinkindern werden und man von vorne anfangen kann, obwohl die eigenen Kinder mittlerweile aus dem Gröbsten raus sind? Fragen über Fragen…