Wenn die Eltern schwierig werden

Der Frühling ist da, die Vöglein zwitschern und auf dem Spielplatz nebenan steppt der Bär – alle Menschen groß und klein streben nach draußen und genießen die Sonne. Alle? Nein, nicht ganz….es gibt eine Spezies, die unabhängig von Sonne und Blumen sich drinnen verbirgt, mit heruntergelassenen Rolläden, beschienen nur vom Licht des Computers oder des Smartphones. Sie nach draußen zu locken, funktioniert meist nur mit Versprechungen und Verlockungen wie dem nächsten Burgerladen und dem Kauf neuer Sneakers. Man nennt sie gemeinhin Pubertiere oder Teenager und sie chillen den ganzen Tag ihr Gesicht…

Vorbei die Zeiten, als ich mit Schäufelchen, Brezelchen und Ersatzwindeln im Sand herumkrabbelte oder flüchtigen Kleinkindern hinterherjagen durfte. Ja, es war oft langweilig und mühselig und geistig unterfordernd. Aber heute trauere ich diesen goldenen Zeiten hinterher. Die lieben Kleinen waren gerne und viel an der frischen Luft, liebten die Bewegung und auch ich war dadurch gezwungen, mich regelmäßig zu bewegen. Ob ich wollte oder nicht.

Wie oft habe ich die Zeit herbeigesehnt, in der ich nicht mehr als Freizeitgestalterin und Fahradtaxi gefordert sein würde. Das einzige Highlight waren die anderen Mütter und ein nahe gelegenes Café.

Und jetzt? Sitze ich zuhause und versuche, die Halbwüchsigen von der Mattscheibe loszueisen. Auf meine Aufforderung „Geh doch mal raus, die Sonne scheint“ erhalte ich nur einen herablassenden Blick. Und dann denke ich mir: blöd, dass ich die gute alte Spielplatzzeit nicht mehr genossen habe.

Auch die Urlaube waren einfacher. Meer oder Berge, Burgen, Museen und Ruinen, vielleicht ein paar  Tiere dazu, fertig war der Spaß. Und alles war interessant und spannend.  Jetzt ist alles öde und Kultur juckreizfördernd. Ich weiß, es geht vorbei. Und möglicherweise geht die Saat, die wir gesät haben, ja noch prächtig auf und erschafft diese wundervollen pickelfreien, unzickigen, eloquenten Wesen, von denen wir träumen.

Aber die Zeit bis dahin ist manchmal echt zäh. Ich geh jetzt mein Gesicht chillen.

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