Elternabend

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In meinem nächsten Leben werde ich Kultusministerin – oder Papst. Aber das ist ein anderes Thema… Als Kultusministerin würde ich Elternabende und Elternbeiratswahlen schlichtweg verbieten. Stattdessen würde ich den Lehrern Humor, Herzenswärme und Empathie in den Lehrplan schreiben und Lachyoga zum Pflichtfach machen. Die Eltern dürften, wenn sie wollten, ab und zu in den Unterricht kommen, um zu sehen, wie es dort so zugeht. Vielleicht müssten sie sogar die eine oder andere Klassenarbeit mitschreiben… Außerdem dürften die Eltern in die Klasse kommen, um über ihre Arbeit zu berichten oder um mit den Schülern Projekte durchzuführen. Sie könnten  bei Bedarf auch als Tutoren die Schüler unterstützen.

Lehrer und Eltern müssten statt zum Elternabend alle 2-3 Monate in eine gemütliche Kneipe gehen und ein bis mehrere Gläser Wein zusammen leeren. Oder von mir aus auch Bier. Dabei könnten sie dann die unwichtigen Kinkerlitzchen wie Wandertag, Notengebung, Schullandheim etc. besprechen.  Die Kinder dürften manchmal Lehrer sein und die Lehrer Schüler. Ruhige Schüler dürften ruhige Schüler sein und ihre Referate schriftlich abliefern. Die lebhaften Schüler dürften sich ausleben. Die stillen auch. Und die unruhigen, langsamen, schnellen, großen, kleinen, dicken, dünnen… Sport, Religion/Ethik, Kunst und Musik wären Pflichtfächer, würden aber nicht benotet werden. Es gäbe Hausaufgaben, aber kein Schüler müsste länger als eine Stunde pro Tag davor sitzen.

Die Schulen würden Kooperationen mit Pflegeheimen, Behindertenwerkstätten und anderen sozialen Einrichtungen unterhalten und diese mit den Schülern regelmäßig besuchen. Es gäbe gemeinsame Aktionen, Vorlesenachmittage, Musikvorführungen, Kunstkurse, etc.

Mädchen würden in den naturwissenschaftlichen Fächern gefördert werden und Jungs in den geisteswissenschaftlichen. Es gäbe keine Profilwahl, keine Klassentrennung mitten in der Pubertät. Neben den herkömmlichen Fächern würden Handwerken, Hauswirtschaft, Handarbeiten, Haushaltsführung (Versicherungen, Steuer, Geldanlage…) und andere praktische Fächer auf dem Lehrplan stehen. Natürlich gäbe es ausreichende Mittel für die Ausstattung der Schule, Renovierung der Klassenräume, Anschaffung von PCs und Tablets, kulturelle Aktivitäten, Ruheräume und ein grünes Außengelände. Und natürlich auch für Dinge wie Landschulheim, Skikurse, Auslandsaufenthalte…ohne dass Familien mit weniger finanziellen Mitteln außen vor wären.

Die Schüler würden Spaß am Lernen haben, die Lehrer Spaß am Lehren, die Eltern könnten die Zeit mit ihren Kindern genießen, anstatt sich zuhause wegen der Hausaufgaben zu streiten.

Na ja. Man wird ja wohl noch träumen dürfen….

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Klassentreffen II

Neulich in einer kleinen feinen Gaststätte mit italienischer Küche in der süddeutschen Provinz: in einem Nebenraum sitzen ca. 15 Menschen mittleren Alters, die gackern und kreischen und sehr laut lachen. Die restlichen Gäste nehmen Reißaus… der Wirt nimmt es gelassen und wartet, bis wir uns ausgeschnattert haben. Und: die Frauen sind nicht am lautesten!

Es kann ein schönes warmes Gefühl wie nach-Hause-Kommen sein, wenn Du die Menschen triffst, mit denen Du vor 30 Jahren fünf Tage der Woche von frühmorgens bis nachmittags in einem Raum eingesperrt warst, um Dir die Kenntnisse und Fähigkeiten anzueignen (oder eben auch nicht), die Dich zu der Person und zu dem Beruf geführt haben (oder eben auch nicht…s.o.), der bzw. die Du heute bist und ausübst. Uargh, gestelzt, sorry.

Wir haben zusammen gelitten, gelacht, geweint, uns geliebt, heimlich bewundert und gehasst. Natürlich kann es auch sein, dass nur das Hassgefühl geblieben ist. Vielleicht hat Dich einer gemobbt (früher hieß das noch anders, aber wie eigentlich?) oder eine hat Deine Gefühle nicht erwidert. Vielleicht warst Du der ewige Außenseiter und hast heute noch daran zu knabbern. Kinder und Jugendliche können so gemein sein. Es sind seltsame Mechanismen, die da wirken. Was macht uns zu den Stars, Mitläufern, Schatten oder Ausgestoßenen in einer Klasse/Gruppe?

Vieles von damals tut mir leid. Dass ich mich zu sehr von Äußerlichkeiten habe blenden lassen (der entspricht nicht meinen ästhetischen Vorstellungen, also finde ich ihn doof). Heute ist man (hoffentlich) klüger und toleranter. Oder eben auch nicht, tja…

Trotzdem, oder deswegen: niemand kennt mich so wie die, die mit mir zusammen pubertär waren, die Lehrer gepiesackt haben, im Klo über die Jungs geredet und gemeinsam Pickel überschminkt haben. Und die Jungs kannten all unsere Schwächen und Peinlichkeiten (und haben sie manches Mal für blöde Scherze verwendet).

Alte Briefe, Fotos, Reliquien einer vergangenen Zeit. Wir haben in einer Zeit ohne Whatsapp überlebt, wie nur? Das Telefon mit Schnur war unsere Nabelschnur. Zur Freundin mussten wir kilometerweit mit dem Rad fahren.

Viele Wunden sind geheilt oder gar vergessen, andere können wir nun getrost schließen und verzeihen. Den Weggebliebenen, die vielleicht noch leiden und uns deswegen meiden, schicken wir ein stilles „Tut uns leid“. Vielleicht hilft’s…

Wir sind älter geworden, haben uns aber „gut gehalten“. Wir haben uns wieder gefunden, sind durch die Zeit gereist und waren einen Abend an wieder 16 (nur die Frisuren und Klamotten waren von heute, zum Glück!). Und am nächsten Morgen (ohje) sind wir wieder in unserem mittelalten Körper aufgewacht und zurückgefahren in unser Leben, zu den Menschen, die uns so, wie wir gestern und vor 30 Jahren waren, nicht kennen. Zum Glück.